Symbaroum – Ersteindruck

Kurz vor Weihnachten ist das Druckexemplar von Symbaroum bei mir eingetrudelt. Da ich eine Minikamapgne leiten möchte, habe ich mir über die Feiertage das Regelwerk durchgelesen und auch gleich mehrere Charaktere erstellt. Zeit ein erstes Fazit über das Spiel zu ziehen.

Setting:

Kompaktes regionales Setting. Ich würde es so formulieren: Das Land einer Hochkultur ist durch einen Krieg gegen den Dunklen Fürsten versehrt, sodass die Hochkultur in eine Region mit Barbarenklans übersiedelte und dort ihr Imperium neu aufbauen möchte.

Oder weniger Abstrakt: Das römische Reich ist untergegangen und es wird versucht bei den Germanen das Imperium wieder aufzubauen.

Dann gibt es noch das Thema Verderbtheit (Corruption). Da eine unkontrollierte Nutzung von Magie/Artefakten in der Welt einen Charakter/Wesen in ein Monster verwandelt.

Spielmechanik:

Die Spielmechanik wird mittels eines W20 umgesetzt. Andere Wx dienen zur Schadensermittlung oder Schadensabsorption. Der Spieler würfelt gegen sein Attribut (je höher das Attribut, umso besser), das er unterwürfeln muss. Der Wurf kann durch den Spielleiter oder im Falle eines Widerstreits mit einem anderen Charakter durch einen attributsabhängigen Modifikator modifiziert werden.

Eine Besonderheit der Spielmechanik ist, dass immer nur der Spieler würfelt. Der Spielleiter legt nur die Modifikatoren fest.

Zwei Beispiele:
1: Ein Spielercharakter greift einen NSC an. Der Angriff wird über das Attribut Accurate abgewickelt und durch den Verteidigungswert des NSC modifiziert. Hat der Spielercharakter Accurate auf 13 und der NSC einen Verteidigungswert 12 so sieht der Spielleiter auf der Tabelle auf Seite 101 nach, welcher Modifikator sich aus einem Verteidigungswert 12 ergibt. Man kann es sich auch ausrechnen indem man 10 – Attributswert rechnet. Hier bedeutet dies nun, dass der Accuratewert nun um 2 verringert wird. Der Spielercharakter würfelt nun einen W20 und sollte 11 oder niedriger würfeln.

2: Ein Spielercharakter wird von einem NSC angegriffen. Der NSC hat einen Accuratewert von 9 ( Modifikator +1). Hat der Spielercharakter einen Verteidigungswert von 8 würde dieser mit +1 verbessert werden und somit ist der Zielwert 9 oder weniger, der mit einem W20-Wurf durch den Spieler erreicht werden muss, um nicht getroffen zu werden.

Auch der Schaden den NSC verursachen ist statisch festgelegt und entspricht maximal verursachbarer Schaden/2. Spielercharaktere würfeln aber den Schaden aus.

Das bedeutet, dass das Spiel nicht für Runden geeignet ist, in denen der SL verdeckt würfelt und ggf. mal ein Auge zudrückt, um einen Charakter eine Probe schaffen zu lassen.

Charaktererschaffung/Entwicklung:

Die Welt von Symbaroum ist tödlich und das spiegelt sich in der Spielmechanik, der Charaktererschaffung und Charakterentwicklung wieder. Charaktere lassen sich sehr schnell bauen. Man hat die Möglichkeit zwischen einer Punkteverteilung, der Verteilung eines vorgefertigten Wertesets auf die Attribute oder einem optionalen Mechanismus um Attribute auszuwürfeln zu wählen.

Danach wählt man den Archetyp Kämpfer, Magienutzer oder Rogue (was ich hier eher als Einzelgänger übersetzen würde). Aus dem jeweiligen Archetyp wählt man dann, die konkrete „Klasse“ z. B. Ritter beim Kämpfer oder Hexe beim Magienutzer.

Im nächsten Schritt wird die Rasse gewählt (Mensch – Ambrian, Mensch – Barbar, Wechselbalg, Oger, Goblin)

Danach sucht man sich seine Fähigkeiten und/oder mystischen Kräfte raus. Wobei man entweder zwei Fähigkeiten/mystischen Kräfte auf Novice und eine auf Adeptennivau lernt oder fünf Fähigkeiten/mystischen Kräfte auf Novicenivau.

Was auch noch zu erwähnen ist, dass man als Magienutzer anfangs nicht wirklich viel kann, da man zusätzlich zur Zauberfähigkeit auch noch in eine Magieschule investieren muss, um nicht gleich in der ersten Spielsitzung seine maximal verkraftbare Verderbtheit zu überschreiten. Allerdings darf ein Magienutzer auch eine Rüstung tragen – gibt halt ggf. Abzüge auf die Zauberwürfe.

Für erspielte EP können dann neue Fähigkeiten/mystische Kräfte gekauft werden. Allerdings können die Attribute maximal um den Wert 3 gesteigert werden (durch eine bestimmte Fähigkeit). Da die Lebenspunkte sich von einem bestimmten Attribut ableiten bedeutet dies, dass man die Lebenspunkte nur sehr sehr begrenzt steigern kann. Allerdings kann die Überlebenschance des Charakters durch das Steigern anderer Fähigkeiten auch verbessert werden (z. B. Verbesserung des Verteidigungswertes).

Fazit:

Mir gefällt Symbaroum sehr gut. Die Tödlichkeit des Systems und die Verderbtheit/Corruption sprechen mich da besonders an. Auch die visuelle Darstellung ist sehr gelungen und aus einem Guss. Auf den in etwa 260 Seiten findet man alles, was man zum Spielen und Spielleiten braucht. Allerdings sind die Regeln etwas verstreut, sodass man zumindest als SL einige Charaktere selber bauen sollte und auch das Buch zumindest einmal vollständig durchlesen sollte.

 

Advertisements

Exalted 3e – Ersteindruck

Für die Backer gibt es seit gestern Exalted 3e als Download. Ich hab damals auch den Kickstarter unterstützt in der Hoffnung auf eine elegante schnelle Spielmechanik für cineastische Kämpfe. Mir gefiel zwar schon immer das Setting extrem gut, allerdings fand ich das Kampfsystem in der 1e schon relativ kompliziert. 2e machte es noch komplizierter. Also hoffte ich, dass 3e es besser machen wird, aber soviel sei schon gesagt, diese Hoffnung wurde enttäuscht. Nichts desto trotz möchte ich meinen subjektiven Ersteindruck mitteilen (es ist kein Review, da ich die guten 600 Seiten nicht in einem Tag lesen konnte).

Inhalt:
Das PDF hat über 600 Seiten in Farbe. Die PoD Fassung wird wahrscheinlich ähnliche Preise haben wie die Jubiläumsausgabe von Mage (ca. 100 USD).

Die Übersichtlichkeit hält sich in Grenzen. Gut ein PDF mit 600+ Seiten ist einfach nicht einsteigerfreundlich. Man im Gegensatz zum Grundbuch zur 1e oder 2e mehr Martial Arts und mehr Sorcery Charms hinzugefügt. Allerdings hat man die visuelle Darstellung der Charm-Trees weggelassen, was der Übersichtlichkeit wirklich nicht gut tut.

Bei den Flufftexten hat man sich auf Text zurückbesonnen und das mit dem Comics sein lassen. Die Comics fand ich in 2e nervig. Wenn man nicht die Flufftexte aus der 1e kannte, konnte man mit den Comics nicht viel anfangen.

Es werden auch noch neue Exaltedtypen erwähnt. Allerdings hätte ich die nicht gebraucht, da das Setting eigentlich eh schon relativ voll ist. Aber jetzt haben wir Frankenstein-Exaltierte, Individualexaltierte von allen möglichen Göttern und Anti-Sidereals. Spielbar sind die mit den Grundbuch nicht – sprich wir können wohl mit einigen Erweiterungsbänden rechnen.

Spielmechanik
An sich finde ich das Konzept von dem Momentum interessant. Im Prinzip manipuliert man damit die Initiativereihenfolge. Aber die Kämpfe werden damit recht komplex und man sollte sich das nur für „Bosskämpfe“ aufheben. Dann haben aber – wie meine Spieler in 2e – die Spieler das Problem, dass sie das Kampfsystem überfordert. Neben Charms gibt’s auch noch Kampfmanöver, die sich auf das Momentum auswirken. Also ich seh mich schon am Durchdrehen (besonders nach einem langen Arbeitstag), wenn ich diese ganzen Verschiebungen bei der Spielerreihenfolge nachverfolgen muss. Ich werde es aber mal probespielleiten. Ich hoffe es kommen dann noch Quickstartregeln, die ich meinen Spielern in die Hand drücken kann. Wenn ich ihnen den Folianten gebe, kann ich sie bestimmt nicht für ein Probespiel begeistern.

Visuelles
Die Schrift ist gut lesbar. Das Artwork wird gerade heiß diskutiert. Das meiste ist zwischen mittelmäßig und gut, aber es gibt auch einige visuelle Katastrophen. Ich hoffe die werden noch zum finalen Release korrigiert. Zudem scheinen wohl einige Leute zu behaupten, dass einige wenige Elemente des Artworks geklaut wurden. Wen hierzu Einzelheiten interessieren (schlechtes Artwork und raubkopiertes Artwork) sollte mal diesen Thread lesen: http://forum.rpg.net/showthread.php?768604-Exalted-3e-Laugh-at-bad-%28and-illegal%29-art-from-the-Exalted-pdf

Fazit des Ersteindrucks:
Als Non-Backer fände ich 3e schon in Ordnung. Als Backer bin ich aber enttäuscht. Der Kickstarter hat über 600k USD eingebracht und es gab ja echt krasse Verzögerungen (ich glaube 2,5 Jahre!?), dafür hat das Artwork hat einfach zu viele schlechte Ausreißer. Wenn ich das mit Degenesis 2.0 (ok kein Kickstarter) oder mit Fate of the Norns vergleiche, ist das visuelle Ergebnis unbefriedigend. Evtl. werden auch noch die Grafiken bis zum finalen Release ausgetauscht. Aber auch die Spielmechanik ist nicht das, was ich mir erhofft hatte. Eventuell täuscht der Eindruck über die Mechanik. Sobald ich es mal getestet habe, werde ich einen Erfahrungsbericht schreiben.

Zusammenfassung (Subjektive Sicht):
Viel Inhalt (+)
600+ Seiten in Farbe (+)
Fluff in Textform (+)
Neue Exalted (-)
Teure PoD (-)
Komplexe Spielmechanik (-)
Enttäuschendes Artwork (-)

Wenn ich eine Schulnote vergeben müsste, wäre es wohl eine 3-.