Mens sana und Spieltests

Endlich ist mein FHTAGN Szenario Mens sana erschienen. 🙂 Es ist damit bisher das Szenario, das zwischen (eigentlicher) Fertigstellung und endgültiger Veröffentlichung am längsten „lag“. Doch die Zeit wurde gut genutzt und verschiedene erfahrene SLs haben das Szenario in der Zwischenzeit geleitet. Ich selbst habe es inzwischen um die 10 Mal mit den unterschiedlichsten Gruppen gespielt – mit bekannten Spieler*innen, auf Conventions und online.

Mens sana ist ein Kammerspiel im Mittelalter, genauer im Jahr 1480 auf Rhodos. In diesem doch eher speziellen Szenario stehen das Spiel zwischen den Charakteren und die Themen Hilflosigkeit und Dilemma im Vordergrund.

Achtung, der folgende Text enthält Spoiler zum Szenario.

Inzwischen kann ich sagen: das Szenario funktioniert gut, aber nicht in jeder Gruppe. Wohlgemerkt: das ist völlig wertfrei, denn jede Gruppe hat andere Ansprüche an ihren Spielspaß und geht ein Szenario anders an. Jede/r SL leitet ein Szenario anders. Der Plot ist eher linear und nicht sehr komplex, das Mythoslevel ist eher niedrig aber das Szenario steht und fällt damit, wie stark sich die Spieler*innen auf die Charaktere und auf die Interaktion untereinander sowie auf die Geschichte einlassen. Die Charaktere erwachen zu Beginn verletzt im Hospital der Johanniter – inmitten den Wirren einer Belagerung. Das Spiel mit – oder vielmehr trotz – der Verletzungen ist ein bißchen eine Gratwanderung. Die Spieler*innen sollen nicht frustriert, ihre Charaktere aber dennoch aus dem Bett gelockt werden.

Die Spielrunden durch andere SLs ergaben erfreulicherweise Feedback und konstruktive Kritik und führten zusammen mit meinen eigenen Spieltests zu mehreren kleinen, aber wichtigen Änderungen am Szenario. So z.B. zu einer bereits festgelegten Startverletzung eines bestimmten Charakters, einem Weg wie Informationen aus einem Handout „an den Charakter gebracht werden“ und wie man am Spieltisch am besten mit dem eingebauten Verletzungsmechanismus umgeht, um Frust zu vermeiden.

Mit Orkenspalter TV durfte ich freundlicherweise ein Let´s Play mit großartigen Mitspieler*innen aufnehmen.

Einen Spielbericht findet ihr hier: https://inyo.home.blog/2020/05/11/mens-sana-cthulhu/

Außerdem habe ich noch ein bisschen Bonusmaterial zum Johanniterorden zusammengetragen, da der sich als Hintergrund für Charaktere im Mittelalter eigentlich ziemlich gut eignet. Handouts, Charaktere und Bonusmaterial findet ihr hier: https://www.drivethrurpg.com/product/313373/FHTAGN-Mens-sana-Spielmaterial

Wo ihr dieses und weitere FHTAGN Szenarien erhaltet findet ihr hier: https://fhtagn-rpg.de/szenarien

Wie wichtig sind euch Spieltests, wenn ihr ein Szenario schreibt? Gebt ihr euer Werk auch anderen SLs zum Leiten? Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? Schreibt es gerne in die Kommentare.

„Schlaf ohne Traum dünkt uns das höchste Glück nach eines sauren Tages Last und Plage.“

Mit diesem Zitat von Lord Byron (1788 – 1824) möchte ich den heutigen Post einleiten, in dem ich euch meine Kurzkampagne in der Postapokalypse kurz umreißen will. Meine Spielerinnen und Spieler und wer das Szenario sonst noch spielen will: lest bitte nicht weiter. Achtung, akute Spoilergefahr!

Was, wenn Wache Welt und die Traumlande – Lovecrafts nächtliche Welt der Träume – nicht mehr getrennte Welten wären? Was, wenn die Traumlande nicht mehr des nachts gefahrlos aufgesucht werden könnten und Träume plötzlich beängstigend real, gar tödlich wären? Was, wenn beide Welten sich überlappen würden, weil der Große Alte Atlach-Nacha sein Netz über den Abgrund fertig gestellt hat und so beide Welten verbindet?

Vor dieser Prämisse spielt das Szenario Oneironauten aus dem bei Pegasus erschienenen Band Apokalypsen. Manchmal wurde nach Erscheinen des Bandes der Wunsch nach mehr Spiel in der cthuloiden Postapokalypse geäußert. Dem wird mit der folgenden Abwandlung des Szenarios entsprochen. Ich möchte euch den Plan für meine Traumzeit-Dystopie kurz umreißen.

Ich verwende für die Kurzkampagne meine leicht abgewandelten vorgefertigten Charaktere, die sich auch online beim Bonusmaterial für das Szenario finden. Nur habe ich den Start nach England verlegt. Wir beginnen das Szenario wie vorgesehen im Jahr 1926 mit einem spurlos verschwundenen Kind und anderen mysteriösen Ereignissen. Jedoch werde ich an einem gewissen Punkt die Investigatoren des Jahres 1926 zunächst zurücklassen und einen Sprung in eine zweite Zeitlinie machen, in ein alternatives Jahr 1980. Die Traumzeit ist die Lebensrealität der Menschen geworden. Wesen, Große Alte gar, aus den Traumlanden haben Brückenköpfe in der Wachen Welt errichtet und nehmen von dort aus Einfluss.

Die neuen Charaktere der zweiten Zeitlinie gehören in den USA (die es so nicht mehr gibt) einer Widerstandsorganisation an, die den mächtigen Zauberer Haon-Dor aus den Traumlanden und die mit ihm verbündeten Mondbestien bekämpft. Haon-Dor strebt nichts Geringeres als die Weltherrschaft an (natürlich!). Träumen hat sich als wichtige neue Fähigkeit etabliert – wer es nicht in gewissem Maße beherrscht, errreicht vielleicht nicht einmal das Erwachsenenalter. Doch in den verschiedenen Ländern der Erde haben sich unterschiedliche Formen des Umgangs mit der neuen Situation etabliert: während mancherorts die Traumzeit willkommen geheißen und in das Leben integriert wurde, wehrt man sich andernorts mit Technik massiv gegen die Einflüsse der Traumlande und verfolgt und interniert jene, die Träumen in größerem Ausmaß beherrschen. Die Widerstandskämpfer beginnen ihre ganz eigene Reise und werden im Verlauf auf die Überreste – und die gesammelten Erkenntnisse – jener Investigatoren aus den 1920ern stoßen. Erkenntnisse, die es ihnen vielleicht ermöglichen werden, den Weg jener unglücklichen Investigatoren zu Ende zu gehen und die Traumzeit zu beenden und damit Haon-Dor das Handwerk zu legen.