Spielbarer Paladin-Kodex (oder ein kleiner Leitfaden für Paladine)

In den letzten Jahren wurde von einigen Freunden hin und wieder angemerkt, dass Paladine mit ihrem Kodex unspielbar seien. Ich stieß dann auf auf diesen Paladinleitfaden in einem Forum: http://www.giantitp.com/forums/showthread.php?34312-Lessons-for-paladins-rules-discussion-disguised-as-prose

Basierend auf diesem Leitfaden habe ich mir einen Paladinleitfaden/Kodex erstellt, den ich in Zukunft Spielern in die Hand gebe, die dazu neigen könnten unpaladinartig zu spielen und evtl. frustriert sind, wenn der Spielleiter ihnen die Paladinkräfte entzieht. Die Idee ist, dass sie sich auch daran orientieren können und sich ggf. ihren eigenen Kodex stricken.

Einige Textstellen sind mehr oder weniger direkte Übersetzungen aus dem Englischen andere sind etwas klarer formuliert, damit diese eher meinen persönlichen Geschmack treffen.

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Willkommen!
Heute ist der erste Tag in eurem neuen Leben als Paladin. Wie ich sehe tragt ihr eure Rüstung und eure Waffen, legt diese beiseite, ihr braucht diese heute nicht! Heute erfahrt ihr etwas über das Leben als Paladin. Ihr erfahrt etwas über Ehre, Gerechtigkeit, Gnade und Pflicht und über den all dies umfassenden Kodex, dem ihr euer Leben gewidmet habt.

Über die Demut, die sich einem Paladin gehört
(Spiel keinen Trottel)

Ihr seid hier, weil ihr von Gott auserwählt wurdet. Aber dass keiner von Euch dem falschen Stolz anheimfällt: Denkt daran, ihr seid von Gott auserwählt, ihm in einer bestimmte Weise zu dienen, mit den Gaben die euch gegeben wurden. Der Herrscher, der Gelehrte oder selbst der Bauer der mit seiner Arbeit Gott zu ehren versucht, ist auserwählt und mit Gaben gesegnet, so wie ihr es seid. Manche denken vielleicht, dass ihr über allen anderen steht, eben weil sie berufen wurden, aber so läuft man Gefahr nur umso tiefer zu fallen. Bedenkt dies und seid demütig!

Über die Wahrheit, die der Kodex eines Paladins offenbart (Versau dir nicht mit dem Kodex deinen Charakter oder dein Spiel)
Da wir auserwählt und berufen sind, müssen wir nach unserem Kodex leben. Im Kern ist der Kodex einfach zu verstehen: Tu nichts Böses; respektiere die Obrigkeit, handle ehrenhaft, hilf den Bedürftigen, bestrafe diejenigen, die böses tun. Aber ihr seid nicht hier, nur weil ihr Regeln befolgen könnt. Der Kodex ist mehr als nur eine Ansammlung von Regeln.

Der Kodex gibt lediglich in Worten und Taten eine viel größere Wahrheit wieder. Es ist die Missachtung dieser Wahrheit, nicht eine Verletzung der Regeln, die euch von Gott wegführt, solltet ihr den Kodex verletzten.
Die Wahrheit eines rechtschaffenen Lebens ist allumfassend, aber ist in seinem Kern unmöglich zu beschreiben. Es ist auch so, je mehr wir versuchen diese Wahrheit zu beschreiben und in Worte zu fassen, umso weiter entfernen wir uns von dem eigentlichen Kern eines solchen Lebens.
Doch weil wir nur Sterbliche sind, muss jeder von uns versuchen diese Wahrheit sich selbst begreiflich zu machen, damit es uns möglich ist ein rechtschaffenes Leben zu führen. Damit kann es sein, dass der Kodex für mich etwas anderes bedeuten kann als für jeden von euch. Dies darf aber nicht zu einem Verwässern der Werte nach Lust und Laune führen, so wie viele Predigten davor warnen. Wir müssen unseren eigenen Weg der Rechtschaffenheit zu Gott finden, nicht unseren weltlichen Bedürfnissen und Gelüsten folgen.
Ich rate jedem von euch aufrichtig über eure Auffassung des Kodex mit einem Mentor zu diskutieren, bevor ihr eure Pflichten als Paladin wahrnehmt. Auf diese Weise entgeht ihr einerseits den Problemen Unklarheiten und Zweifeln, andererseits der Versuchung des Eigensinns und des darauf folgenden unrechtschaffenden Handelns.
Trotz all dem was ich gesagt habe, lasst mich versuchen klarzustellen was es bedeutet sich rechtschaffen zu verhalten, wie es sich für einen Paladin gehört – und wenn Gott es will, wird euch der Weg gezeigt werden.

Ihr habt zweifellos auch die Geschichten über einen noblen Tod im Namen des Kodex gehört. Vergesst das mal ganz schnell. Ich will euch dazu ermuntern, nein aufrichtig ermutigen, dass ihr nach dem Kodex lebt. Wenn ihr dies tut, werdet ihr sterben wenn eure Zeit gekommen ist. Sucht aber keinesfalls den Tod nur um eures eigenen Ruhmes willen. Es ist viel wichtiger zu wissen wie man mit jedem Atemzug nach dem Kodex lebt, ganz besonders für Taten die weder Ruhm noch die Gefahr des Todes mit sich bringen. Diejenigen, die nur wissen wir man nach dem Kodex stirbt, sind zwar Standhaft auf dem Schlachtfeld, aber verfallen schnell den subtileren Verführungen des Bösen.

Über ehrenhaften Kampf
(Fordere nicht jeden Deppen zu einem Duell heraus)
Lasst uns nun über das Kämpfen sprechen, da wir in einer Welt von Gefahr und Krieg Streiter Gottes sind. Ihr habt sicherlich davon gehört einem Gegner einen fairen Kampf zu gewähren? Zuerst die Aufforderung, dann macht man sich bereit und Gott entscheidet? Prinzipiell ist das richtig, aber zu allererst gilt das für Duelle.
Handelt es sich nicht um ein Duell, so ist die Sache etwas schwieriger. Versucht in solchen Situation im Geiste des Kodex zu handeln und denkt daran: Tut nichts Böses, der Zweck heiligt keinesfalls die Mittel.

Grundsätzlich gilt, der Gegner sollte wissen, weshalb ihr diesen bekämpfen oder angreifen wollt. Wenn ihr einer gegnerischen Fraktion den Krieg und die Gründe dafür erklärt habt, dürft ihr dann hinterhältige Angriffe gegen Mitglieder dieser Fraktion ausüben oder nicht? Nun das kommt darauf an …
Nur um einen schnellen Sieg zu erringen sicherlich nicht. Ein Duell auszufechten um eurer Ehre willen und dabei das Leben eurer Kameraden oder das Leben unschuldiger und wehrloser Menschen zu opfern – sicherlich nicht. Seid vorsichtig, dies sind die Entscheidungen die euch wahrlich prüfen, ob ihr würdig seid und einige mögen hier scheitern. Ich wiederhole noch einmal: Entscheider im Lichte dessen, dass ihr nichts Böses tun sollt.

Aber wahrscheinlich verbringt ihr mehr Zeit damit für Recht und Gesetz zu sorgen, als auf einem Schlachtfeld. Auch hier müsst ihr nicht mit jedem Gesetzesbrecher ein Duell ausfechten. Bringt diese Leute zu Strecke, teilt ihnen mit welchen Verbrechen sie beschuldigt werden. Wendet angemessen Gewalt an, um diese Personen dingfest zu machen. Das bedeutet nicht, dass ihr einen kleinen Dieb zu Tode prügelt. Genauso wenig ist es ehrenhaft einen gesuchten Mörder beim Verlieren eines Duells davonziehen zu lassen. Macht die Beschuldigten oder Verbrecher dingfest und übergebt diese den entsprechenden Stellen, die sie richten.

Wenn Gerechtigkeit durch einen Kampf gesprochen werden soll, tut dies weil ein neutrales Gericht euch dazu aufgefordert hat. Wenn ihr bei einer Aufforderung zu einem Duell herausposaunt, dass Gott euch siegreich aus einem Duell hervorgehen lassen wird – ist das nicht zu Ehren von Gott, sondern nur um euer Bedürfnis nach Ruhm zu befriedigen. Hier ist euer Urteilsvermögen vernebelt und ihr handelt dann sicherlich nicht im Namen Gottes.

Über Gerechtigkeit und Gnade
(Sei Rechtschaffen UND Gut!)
So genug über Kämpfen und Gewalt gesprochen. Lasst uns über Gerechtigkeit sprechen und darüber, dass Gerechtigkeit für sich alleine ist unpräzise ist. Ein Paladin ist ein Streiter der Rechtschaffenheit. Rechtschaffenheit bedeutet Gerechtigkeit im Einklang mit Gnade. Mit anderen Worten, das Gesetzt wird durch Liebe und Güte austariert. Meditiert hierüber, da dies von vielen vergessen wird.

Dies ist eine der schwierigsten Abwägungen die ein Paladin treffen muss. Da einerseits diejenigen die Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit anwenden euch sagen werden, dass euer Gesetz unvollkommen ist durch eure Gnade und Zurückhaltung. Und andererseits diejenigen, welche die Liebe über alles stellen euch sagen werden, eure guten Taten werden durch eure Regeln und Prinzipien behindert.

Dabei gibt es zwei Fehler, die gerne gemacht werden.
Der erste Fehler wäre es zu leugnen, dass das Gesetz unvollkommen ist. Es ist nur ein unvollkommener Ausdruck der Wahrheit der Rechtschaffenheit. Ein Gesetz ohne Liebe dient nur sich selbst und keinem anderen Zweck und ist damit nutzlos. Gesetz und Liebe dienen zusammen besser demjenigen dem Gerechtigkeit wiederfährt und demjenigen der Gerechtigkeit bringt.

Der zweite Fehler wäre es zu glauben, dass Liebe wehrlos ist. Es ist unsere Aufgabe gegen all das Böse in der Welt zu kämpfen und als Paladine dürfen wir unsere Wachsamkeit niemals ruhen lassen. Hierfür folgen wir unserem göttlichen Auftrag und unseren Prinzipien.
ABER wir sind dennoch nicht perfekt. Um die Güte der Liebe in unseren Herzen zu bewahren, müssen wir Rechtschaffenheit mit Bedacht anwenden. Die Liebe soll nicht gemindert werden, sie soll vervollkommnet werden und nicht in ein hässliches Zerrbild von Liebe verwandelt werden. Ein solches Zerrbild der Liebe zerstört alles wenn ihr mit eurem Herzen ein Ziel verfolgt und am Ende zerstört das Ziel selbst.

Sucht immer nach dem Weg, der das Gute und das Gesetz berücksichtigt. Aber der ideale Weg ist schmaler Grad und schwer zu finden. Falls ihr irgendwo zwischen all dem verlogen glaubt und eine Entscheidung treffen müsst, denkt daran: Tut als Paladin nichts Böses.
Über den Versuchungen des Bösen zu widerstehen (Warum wir nicht suchen und zerstören)
Eine unserer obersten Pflichten ist es dem Bösen aktiv Einhalt zu gebieten. Ihr werdet lernen die Gegenwart des Bösen zu fühlen. In der Tat ist es ein Teil der Ausbildung die Aura des Bösen mit eurer übernatürlichen Wahrnehmung zu erkennen.

Folgendes soll euer erster Hinweis über die Grenzen dieser Kraft sein: Es ist äußerst schwierig böse Personen freiwillig dazu zu bekommen innerhalb unserer Mauern geprüft zu werden. Aus diesem Grunde nutzen wir Magie um euch unterschiedliche Auren während eurer Ausbildung zu zeigen. Lernt aus meinen Worten, dass der Anschein von etwas Bösen kein ausreichender Grund für die Anwendung von Gewalt ist. Auch der Anschein, dass nichts Böses zu finden ist, ist kein Grund zur Nachlässigkeit.
Auch ist der Makel des Bösen von Jemandens Seele noch kein Verbrechen. Wir bestrafen Taten, nicht Seelen, Seelen versuchen wir zu retten. Das böse kann weltlich sein, es kann auch – und seid nicht selbstgefällig – hinter unseren unmittelbaren Belangen verborgen sein. Ein boshafter Misanthrop, der heimtückische Lügen über seine Nachbarn verbreitet ist eine bösartige Person und ihr werden das Böse in ihm erkennen, jedoch ist Misanthropie kein Verbrechen – nicht in unserer Region und zu keinen Zeitpunkt – und damit auch kein ausreichender Grund mehr gegen diese Person zu tun als diese verbal abzustrafen. Bedenkt aber, selbst wenn ihr dies tut, wird euch das kaum etwas bringen. Solange ihr keine
Beweise für ungesühnte böse Taten findet, lasst die Sache um euretwillen ruhen.

Nehmt aus dieser Lektion folgendes mit: Eure Kenntnis über die Gegenwart von Bösen soll eine Warnung sein und kein verurteilender Beweis. Nutzt diese Kenntnis wie ihr auch eure anderen Sinne verwendet, setzt sie als Fundament ein für euren gesunden Menschenverstand ein und bildet euch eine Meinung.

Über die Befolgung der Landesgesetze
(Nein, man verstößt nicht gegen den Kodex , nur weil man einen Hut in einer unerlaubten Farbe bei der Durchreise durch die Baronie Frivolia trägt)

Unser Kampf richtet sich nicht nur gegen das Böse alleine und ihr scheitert bei euren Auftrag, wenn ihr unfähig seid das Gesetz aufrecht zu erhalten.
Bedeutet das, dass ihr versuchen müsst jedes Pünktchen und Unklarheit eines Gesetzes eines Landes in dem ihr euch befindet zu befolgen?
Nein – aber ihr solltet danach streben dies zu tun.

Der Kodex ist das Herz unseres Gesetzes. Der Kodex selbst ist aber eine unvollkommene Repräsentation der allumfassenden Rechtschaffenheit. Wie viel unvollkommener müssen dann die Gesetze eines Landes sein, die von Narren oder Tyrannen verfasst wurden? Sucht nach dem Herzen der Gerechtigkeit, auf dem die Gesetze errichtet wurden. Und wenn das niedergeschriebene Wort unvereinbar mit einer gerechten Herrschaft ist, so ist es wahrhaft nicht länger ein Gesetz.
Nichts desto trotz sind wir dazu aufgerufen die Obrigkeit und ihre Gesetze zu respektieren. Allerdings nicht blind – das heißt solche Gesetzt sind nur so lange zu befolgen bis Ungerechtigkeiten dieser Gesetze es uns unmöglich machen diesen mit gutem Gewissen zu folgen.
Warum sollt ihr so lange warten?

Wenn ihr diese Gesetze vor den Augen anderer missachtet, selbst wenn diese Missachtung vor Gott gerechtfertigt ist, werden andere die euch und eure Prinzipien nicht kennen durch eure Taten auf Abwege geführt. Um derentwillen, respektiert deren Gesetze und haltet euch an ihre Traditionen.

Nun zu einem Punkt, der mir wichtig ist: Verwendung von Gift – tut es nicht. Aber es gibt Extremsituationen. Verwendet es also nur wenn es unabdingbar ist! Prinzipien sterben keinen schnellen Tod, sondern immer nur Stück für Stück. Wenn ihr durch eine Giftanwendung nur euer persönliches Ziel schnell erreicht oder einen einfach Weg ohne mühen wählt – ist es keine Extremsituation.

Wenn ihr aber Unschuldige schützen könnt, die anderweitig nicht zu schützen sind, geht in euch und meditiert darüber. UND wenn ihr schweren Herzens den unehrenhaften Weg der Giftanwendung wählt, weil es wirklich keine andere Möglichkeit gibt tut es. Denn bedenkt nur um euren persönlichen Stolz zu wahren, dürfen unschuldige hilfsbedürftige Menschen nicht geopfert werden.

Und nun zum Verbergen der Wahrheit oder schlicht Lügen: Dies kann leider ein notwendiges Übel sein, um Schaden von anderen abzuwenden. Auch findet sich über das Halten an die Wahrheit in dem meisten Kodizes von Paladinen etwas, eben weil Unwahrheiten häufig zu noch größeren Gefahren führen, die man versucht hat zu vermeiden.
In Situation in denen es schwierig ist die richtige Entscheidung zwischen Täuschung und euren Feinden einen Vorteil zu verschaffen, denkt daran: Tut nichts Böses.
So das war es für heute meditiert darüber und ich werde beten, dass ihr ein Fünkchen Weisheit in diesen Worten findet.

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