Degenesis: In Thy Blood

Vorweg muss ich sagen, dass ich von Anfang an ein Fan von Degenesis war. Aber, obwohl ich ein Fan war, hab ich Degenesis 1.0 auch gehasst. Warum? Die Regeln waren einfach schrecklich, einige Kulte/Regionen so oberflächlich beschrieben, dass man zwar als Spieler voll Bock hatte da was zu spielen, aber als SL man nur zwei Möglichkeiten hatte:

1. diese Optionen für Spieler nicht zuzulassen

2. mit einem riesigen Aufwand diese Lücken selbst zu füllen, wobei eine Veröffentlichung eines weiteren Rollenspielproduktes diese Arbeit obsolet gemacht hätte.

Also lief es bei mir drauf hinaus, dass ich Option a) wählte. Dann gab es diesen mysteriösen Metaplot … der aus Spielersicht sehr interessant war, aber aus Spielleitersicht eine Katastrophe, da dieser nie enthüllt wurde … zumindest nicht offiziell und in Papierform. Es gab ja auch Regionen und Kulte, die gut ausgearbeitet waren und die machten trotz der unausgegorenen Spielmechanismen trotzdem Spaß zu spielen – gut aber ich schweife ab.

Degenesis 2.0 hat, zumindest für mich, diese Probleme alle erschlagen. Kulte/Regionen sind alle gut ausgearbeitet, die Spielmechanik funktioniert. Die Welt wirkt zwar nicht mehr ganz so dreckig durch die Vollfarbe, aber das ist wirklich jammern auf hohem Niveau.

Und nun wurde das erste Zusatzprodukt veröffentlicht: In Thy Blood

Visuell ist es wieder toll geworden – alles andere wäre eine Enttäuschung gewesen. Inhaltlich ist es im Kern ein „Krimiabenteuer“ – klingt für Endzeit erstmal nix so sexy. Aber ich kann sagen – es lohnt sich. Die Autoren haben das Thema genial in die Welt eingefügt. Die Stimmungstexte sind toll und die meisten auch spannend. Das Finale ist gut gelungen und der Spieler kriegt etwas geboten.

Der Plot ist chronologisch aufgebaut und erstreckt sich über mehrere Tage. An den einzelnen Tagen gibt es Ereignisse, die die Geschichte vorantreiben. Die einzelnen Ereignisse bieten den Spielern Möglichkeiten in den Plot einzugreifen. Auch werden teilweise Alternativen für Handlungen bzw. das Eingreifen der Spieler angeboten. Was für Einsteiger-SLs (obwohl Degensis kein Einsteigersystem ist) gut ist, bei Würfelproben wird nochmal kurz die Mechanik erläutert und welche Konsequenzen das Ergebnis hat bzw. es werden mehrere Qualitätsstufen eines Erfolgs mit deren Konsequenzen angegeben. Ich glaub ich hab so detailliert ausgearbeitete Würfelergebnisse noch nie gesehen – gebraucht hätte ich es nicht, aber für Leute, die selten oder noch gar keine Rollenspiele geleitet haben, ist das bestimmt eine große Hilfe.

So schön und gut ich auch In Thy Blood finde, es gibt auch ein paar Schattenseiten. Nachdem ich einer dieser ewig gestrigen Old-School Rollenspiel(leiter) bin, hätte ich mir noch sowas wie Ereigbis- oder Begegnungstabellen gewünscht, falls die Spieler dann doch mal zu anderen Zeitpunkten länger in der Natur unterwegs sind oder den vorgesehenen Plotstrang verlassen. Hier könnte ein unerfahrener Spielleiter unter Umständen dazu verleitet werden Spieler, die mittels ihrer Kreativität punktuell einen gänzlich anderen Weg einschlagen, per Eisenbahnschiene diese wieder auf den Ursprungsplot zurückzuleiten. Als SL und Ratschlag an andere SLs würde ich die vorgeschlagenen Ereignisse als eine Inspiration für meinen eigenen Plot sehen, der potentiell anders laufen kann (aber nicht muss).

Gut, hier kritisiere ich auf einem hohen Niveau. Wenn ich eine Schulnote vergeben müsste würde ich eine 2 vergeben. Für eine 1 hätte ich mir Begegnungstabellen bzw. Ereignistabellen gewünscht, um die Geschichte dynamischer gestalten zu können. So werde ich mir entsprechende Tabellen herleiten, wenn ich das Abenteuer leite.

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Exalted 3e – Ersteindruck

Für die Backer gibt es seit gestern Exalted 3e als Download. Ich hab damals auch den Kickstarter unterstützt in der Hoffnung auf eine elegante schnelle Spielmechanik für cineastische Kämpfe. Mir gefiel zwar schon immer das Setting extrem gut, allerdings fand ich das Kampfsystem in der 1e schon relativ kompliziert. 2e machte es noch komplizierter. Also hoffte ich, dass 3e es besser machen wird, aber soviel sei schon gesagt, diese Hoffnung wurde enttäuscht. Nichts desto trotz möchte ich meinen subjektiven Ersteindruck mitteilen (es ist kein Review, da ich die guten 600 Seiten nicht in einem Tag lesen konnte).

Inhalt:
Das PDF hat über 600 Seiten in Farbe. Die PoD Fassung wird wahrscheinlich ähnliche Preise haben wie die Jubiläumsausgabe von Mage (ca. 100 USD).

Die Übersichtlichkeit hält sich in Grenzen. Gut ein PDF mit 600+ Seiten ist einfach nicht einsteigerfreundlich. Man im Gegensatz zum Grundbuch zur 1e oder 2e mehr Martial Arts und mehr Sorcery Charms hinzugefügt. Allerdings hat man die visuelle Darstellung der Charm-Trees weggelassen, was der Übersichtlichkeit wirklich nicht gut tut.

Bei den Flufftexten hat man sich auf Text zurückbesonnen und das mit dem Comics sein lassen. Die Comics fand ich in 2e nervig. Wenn man nicht die Flufftexte aus der 1e kannte, konnte man mit den Comics nicht viel anfangen.

Es werden auch noch neue Exaltedtypen erwähnt. Allerdings hätte ich die nicht gebraucht, da das Setting eigentlich eh schon relativ voll ist. Aber jetzt haben wir Frankenstein-Exaltierte, Individualexaltierte von allen möglichen Göttern und Anti-Sidereals. Spielbar sind die mit den Grundbuch nicht – sprich wir können wohl mit einigen Erweiterungsbänden rechnen.

Spielmechanik
An sich finde ich das Konzept von dem Momentum interessant. Im Prinzip manipuliert man damit die Initiativereihenfolge. Aber die Kämpfe werden damit recht komplex und man sollte sich das nur für „Bosskämpfe“ aufheben. Dann haben aber – wie meine Spieler in 2e – die Spieler das Problem, dass sie das Kampfsystem überfordert. Neben Charms gibt’s auch noch Kampfmanöver, die sich auf das Momentum auswirken. Also ich seh mich schon am Durchdrehen (besonders nach einem langen Arbeitstag), wenn ich diese ganzen Verschiebungen bei der Spielerreihenfolge nachverfolgen muss. Ich werde es aber mal probespielleiten. Ich hoffe es kommen dann noch Quickstartregeln, die ich meinen Spielern in die Hand drücken kann. Wenn ich ihnen den Folianten gebe, kann ich sie bestimmt nicht für ein Probespiel begeistern.

Visuelles
Die Schrift ist gut lesbar. Das Artwork wird gerade heiß diskutiert. Das meiste ist zwischen mittelmäßig und gut, aber es gibt auch einige visuelle Katastrophen. Ich hoffe die werden noch zum finalen Release korrigiert. Zudem scheinen wohl einige Leute zu behaupten, dass einige wenige Elemente des Artworks geklaut wurden. Wen hierzu Einzelheiten interessieren (schlechtes Artwork und raubkopiertes Artwork) sollte mal diesen Thread lesen: http://forum.rpg.net/showthread.php?768604-Exalted-3e-Laugh-at-bad-%28and-illegal%29-art-from-the-Exalted-pdf

Fazit des Ersteindrucks:
Als Non-Backer fände ich 3e schon in Ordnung. Als Backer bin ich aber enttäuscht. Der Kickstarter hat über 600k USD eingebracht und es gab ja echt krasse Verzögerungen (ich glaube 2,5 Jahre!?), dafür hat das Artwork hat einfach zu viele schlechte Ausreißer. Wenn ich das mit Degenesis 2.0 (ok kein Kickstarter) oder mit Fate of the Norns vergleiche, ist das visuelle Ergebnis unbefriedigend. Evtl. werden auch noch die Grafiken bis zum finalen Release ausgetauscht. Aber auch die Spielmechanik ist nicht das, was ich mir erhofft hatte. Eventuell täuscht der Eindruck über die Mechanik. Sobald ich es mal getestet habe, werde ich einen Erfahrungsbericht schreiben.

Zusammenfassung (Subjektive Sicht):
Viel Inhalt (+)
600+ Seiten in Farbe (+)
Fluff in Textform (+)
Neue Exalted (-)
Teure PoD (-)
Komplexe Spielmechanik (-)
Enttäuschendes Artwork (-)

Wenn ich eine Schulnote vergeben müsste, wäre es wohl eine 3-.